Berlin (21.05.2026) – Mit einem Festakt im Berliner AXICA hat der Verband der Privatärztlichen Verrechnungsstellen (PVS Verband) sein 100-jähriges Bestehen gefeiert. Vertreterinnen und Vertreter aus Gesundheitswesen, Politik, Ärzteschaft und Verbänden kamen zusammen, um auf ein Jahrhundert privatärztlicher Selbstorganisation und berufspolitischer Interessenvertretung zurückzublicken.
Der Vorsitzende des PVS Verbandes, Dr. med. Christof Mittmann, würdigte in seiner Festrede die historische Bedeutung der Privatärztlichen Verrechnungsstellen für den freien Arztberuf und das deutsche Gesundheitswesen. „Hundert Jahre Privatärztliche Verrechnungsstellen – das ist weit mehr als ein Jubiläum“, erklärte Mittmann. „Es ist ein Anlass, innezuhalten und auf eine Geschichte zu blicken, die eng mit der Entwicklung des freien Arztberufs, mit Fragen wirtschaftlicher Unabhängigkeit, mit ärztlicher Selbstverwaltung und letztlich mit der Ordnung unseres Gesundheitswesens verbunden ist.“
In seiner Rede erinnerte Mittmann an die Ursprünge der ersten ärztlichen Verrechnungsstelle, die 1922 von Dr. Anton Graf in Gauting bei München initiiert wurde und eine Kaskade von weiteren Gründungen auslöste– in einer Zeit wirtschaftlicher Unsicherheit und existenzieller Herausforderungen für die Ärzteschaft. Die Idee sei damals ebenso pragmatisch wie wegweisend gewesen: administrative Lasten aus den Praxen auszulagern und Honorare professionell zu sichern. „Aus dieser Idee wurde ein Modell mit erstaunlicher Tragfähigkeit.“, so Mittmann.
Zugleich betonte der Verbandsvorsitzende den besonderen Charakter der PVS als ärztliche Gemeinschaftseinrichtungen: „Sie waren und sind eine Selbsthilfeeinrichtung von Ärzten für Ärzte. Sie folgen keinem fremden Gewinninteresse, keinem anonymen Kapitalmarkt und keiner kurzfristigen Renditelogik.“ Gerade dieser genossenschaftliche Gedanke aus Solidarität, Verlässlichkeit und beruflicher Verantwortung mache die PVS bis heute einzigartig im deutschen Gesundheitswesen.
Mittmann verschwieg in seiner Ansprache auch die schwierigen Kapitel der Verbandsgeschichte nicht. Mit Blick auf die Zeit des Nationalsozialismus sprach er von einem „historischen Tiefpunkt“ und betonte: „Verantwortung für die Zukunft setzt Ehrlichkeit gegenüber der Vergangenheit voraus.“
Mit Blick auf die Gegenwart hob Mittmann hervor, dass die ursprüngliche Idee der PVS heute aktueller denn je sei. Ärztinnen und Ärzte wollten vor allem eines: „Medizin machen.“ Die Belastung durch Bürokratie, Regulierung und Dokumentationspflichten sei enorm. Deshalb blieben die Verrechnungsstellen „der ausgelagerte Schreibtisch der Praxis“ – verpflichtet zu Vertraulichkeit, Datensicherheit und professioneller Entlastung der Leistungserbringer.
Auch ordnungspolitisch seien die PVS weiterhin ein wichtiges Modell für das Gesundheitswesen der Zukunft. „Ärztliche Selbstverwaltung ist kein Relikt vergangener Zeiten, sondern ein leistungsfähiges Organisationsprinzip moderner Versorgung“, sagte Mittmann. Die PVS zeigten seit einem Jahrhundert, „dass Selbstorganisation, Transparenz, Wirtschaftlichkeit und berufsständische Verantwortung einander nicht widersprechen, sondern sich gegenseitig stärken können.“
Zum Abschluss richtete der Vorsitzende den Blick nach vorn: Der Verband wolle auch künftig dazu beitragen, ärztliche Tätigkeit von unnötiger Bürokratie zu entlasten, Kompetenzzentrum für Privatabrechnung, Datenschutz und Prozessqualität zu bleiben und eine starke Stimme für die medizinischen Leistungserbringer zu sein. „Man konnte immer mit der Gemeinschaft rechnen – und sie hat sich immer gerechnet“, zitierte Mittmann aus der Verbandsgeschichte.
Bilder der Veranstaltung finden Sie unter: https://www.picdrop.com/axentis/s4uzFJoevU